Der Traum, die große Flut, am 02.05.2021 
 
Ich sah die große Flut auf uns zukommen. 
Mein Hund war im Wasser, er war unter Wasser, konnte aber schwimmen. Da sah ich meine Frau im Wasser liegen, reglos. Ich versuchte sie aufzuwecken. Sie reagierte nicht. Da kam ein tiefer Schmerz und ich weinte. 
Ich versuchte beide, meine Frau und unseren Hund aus dem Wasser zu ziehen. Sie blieben reglos. 
Dann verwandelte sich das Bild in eine kahle Winterlandschaft. Eine Piste, so wie man sie aus Kindheitserinnerungen kennt. Die Sonne scheint, der Schnee glitzert, es ist eine friedliche Stille, und gleichzeitig weiß ich, dass es in der Nacht finster ist und kalt, und ich vor Kälte sterben kann. 
Ich sehe die Winterlandschaft, die friedliche Stille, die Sonne spiegelt sich in den Schneekristallen, es ist eine heimelige, friedvolle Stille. Ich bin alleine. Alleine mit dieser Stille. 


Gedicht zum Tod meines Vaters im Jahre 2019

Papa, Du Gärtner.
Pflanzt uns hier ein, und gibst uns den Boden für unsere Wurzeln...
Und läßt uns dann im Regen stehen...
Was soll das?
Doch dann...was ist das? Die Sonne...
Hast Du sie gerufen?
Wir wachsen und wachsen....
Du bist auch ganz schön groß Papa.
Doch Du schaust nicht auf uns herab.
Du rufst uns. Dass wir selbst zu unserer eigenen Größe wachsen können.
Du zeigst uns, wie wir unsere Äste und Blätter im Wind wiegen, sodass sie nicht zerbrechen.
Du zeigst uns, wie es ist, mit dem Leben zu gehen...alles zu nehmen.
Alles anzunehmen. Die Sonne und den Regen.
Dein Tun war nicht vergebens.
Wir wachsen weiter.
Bis wir selbst eines Tages große Bäume sind. Und unsere Krone wird dort sein, wo Du jetzt bist. 


Eine persische Geschichte 

Vor langer Zeit überlegten die Götter, dass es sehr schlecht wäre, wenn die Menschen die Weisheit des Universums finden würden, bevor sie tatsächlich reif genug dazu wären.

So entschieden sich die Götter, die Weisheit des Universums so lange an einem Ort zu verstecken, wo die Menschen sie erst finden würden, sobald sie reif genug wären.
Einer der Götter schlug vor, die Weisheit auf dem höchsten Berg der Erde zu verstecken. Aber sie erkannten schnell, dass der Mensch bald alle Berge erklimmen würde und die Weisheit auf der Bergspitze nicht sicher genug versteckt wäre.
Dann schlug ein anderer vor, die Weisheit an der tiefsten Stelle des Meeres zu verbergen. Aber auch dort wähnten die Götter die Gefahr, dass die Menschen die Weisheit zu früh finden würden.
Dann meldete sich der weiseste aller Götter zu Wort:
„Lasst uns die Weisheit des Universums im Menschen selbst verstecken. Er wird erst dort danach suchen, sobald er reif genug ist. Und das ist er dann, wenn er den Weg in sein Inneres geht.“
Die anderen Götter waren von diesem Vorschlag begeistert und so versteckten sie die Weisheit des Universums im Menschen selbst.


Stufen von Hermann Hesse

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!